Pawo der Film

PAWO bedeutet auf Tibetisch "Held" und basiert auf einer wahren Geschichte. Der Film zeichnet das Leben des jungen Tibeters Jamphel Yeshi nach, der sich 2012 aus Protest gegen die andauernde Besatzung Tibets durch China selbst anzündete.

ÜBER DEN FILM

Zwischen Kampf um die Freiheit, Leben im Exil und dem Tod aus Protest

 

Nach dem Tod seines Vaters realisiert der junge Tibeter Dorjee, was es heißt, in seinem eigenen Land ohne Sprache, Kultur und Freiheit aufzuwachsen. Getrieben von der Angst, die Seele seines Vaters könne nie wiedergeboren werden solange er trauert, beschließt er zu handeln. Er wird während des letzten großen Aufstands der Tibeter verhaftet und durchlebt sechs Monate Haft und Folter in einem chinesischen Gefängnis. Als er von seiner Mutter freigekauft wird, muss er seine Familie und sein Land verlassen. Nach einem mehrwöchigen Fußmarsch über das Himalaya-Gebirge landet er schließlich im Exil in Indien. Zwischen den engen Gassen der tibetischen Enklave in Delhi muss er sich zwischen einem neuen, im Exil gefangenen Leben oder dem andauernden Kampf für Freiheit in Tibet entscheiden.

Geschichte

Dorjee bedeutet „unzerstörbar“. Sein Vater war Widerstandskämpfer, der sich mit wenigen Mitteln den chinesischen Truppen beim Einmarsch in Tibet entgegenstellte.

Nach dem Tod des Vaters muss Dorjees Mutter Nimya die Familie allein durchbringen. Sein großer Bruder Gonpo verliert sich im Alkohol und der Sucht nach dem schnellen Geld.

Dorjee ist ein ruhiger, zurückhaltender junger Mann. Mit dem Erwachsenwerden bemerkt er die Repression, die sein Volk erleiden muss. 2008 erlebt er unmittelbar den blutig niedergeschlagenen tibetischen Aufstand vor den Olympischen Spielen in Peking. Es ist der vorerst letzte große Versuch eines unterdrückten Volkes, die Aufmerksamkeit der Welt auf diesen schon mehr als 60 Jahre währenden Konflikt zu richten.

Dorjee gerät zwischen die Fronten und kommt ins Gefängnis, wo er unter Folter mehr als ein halbes Jahr verbringen muss, bis seine Mutter ihn freikauft.
Fortan gilt er als gesuchter Krimineller, weswegen seine Mutter ihn ins Exil schickt.

Mehrere Wochen marschiert er unter der Führung eines Guides zusammen mit einem jungen Mönch, einem älteren Mann und der wunderschönen Tenzin über die Berge des Himalayas. Hinter der nepalesischen Grenze erreicht die Gruppe schließlich das Auffanglanger in Kathmandu. Erst hier realisiert er die Ehre, seiner Heiligkeit dem Dalai Lama so nah zu sein wie nie zuvor.

Zeitgleich beginnt in Tibet eine neue Welle des Protestes. Vor allem buddhistische Mönche und Nonnen sehen keine andere Möglichkeit mehr, ihrem Wiederstand Ausdruck zu verleihen. Sie beginnen, sich auf offener Straße selbst zu verbrennen.

Der verzweifelter Kampf um die Freiheit, Machtlosigkeit und Verzweiflung treiben Dorjee am 26. März 2012, während eines großen Protestes anlässlich des Staatbesuches des chinesischen Ministerpräsidenten in Delhi, dazu sich mit Benzin zu übergießen und sich anzuzünden.

ÜBER DIE HINTERGRÜNDE

Die Geschichte von PAWO basiert auf der wahren Geschichte des jungen tibetischen Aktivisten Jamphel Yeshi, der sich 2012 aus Protest gegen die chinesische Besetzung Tibets auf einer Demonstration in Delhi öffentlich verbrannte. Zufällig ist ein Fotograf in der Nähe, der diesen entsetzlichen Moment im Bild festhält. Das Foto, auf dem Jamphel in Flammen über die Straße rennt, ging um die Welt und wurde überall in der Presse veröffentlicht. Bis heute gilt es als Symbol des tibetischen Widerstands.

Jampel Yeshi steht mit seinem öffentlichen Selbstmord in einer langen schmerzlichen Tradition tibetischer Aktivisten, die sich seit 1998 verbrannt haben, um ein eindringliches Zeichen des Protests zu setzen. Zwischen 1998 und 2015 setzten sich 150 Personen in Brand, darunter viele buddhistische Mönche.

Entstehung

Aus einer Idee wird ein Film

 

Nach Regisseur und Drehbuchautor Marvin Litwak wurde im Juni 2012 durch den SPIEGEL-Artikel "Die letzten 50 Meter" auf die erschütternde Geschichte von Jamphel Yeshi aufmerksam.

Kurz darauf flog Litwak für die Recherche nach Indien. Dort lernte er den späteren Co-Regisseur Sonam Tseten, sowie Hauptdarsteller Shavo Dorjee kennen. Nach einer weiteren Reise mit dem Kameramann Amin Oussar entstanden 2013 erste Testszenen. Diese bildeten die Grundlage für eine Crowdfunding Kampagne, die der Produzent Dustin Steinkühler startete, um die Finanzierung des Projekts sicherzustellen.

 

2014 begannen die Dreharbeiten. Das kleine Team aus deutschen, indischen und tibetischen Crewmitgliedern verzichtete auf eine Gage, um das Budget niedrig zu halten. 32 Tage lang wurde auf über 4500 Meter Höhe in Ladakh und im tibetischen Exil in Dharamsala und Delhi gedreht. Alle mitwirkenden Darsteller sind Laien. Zusätzlich unterstützt wurde die Produktion von rund 200 Tibetern und Mönchen, die die Filmemacher einfach auf der Straße angesprochen haben.

 

Nach der Fertigstellung folgte die erfolgreiche Teilnahme des Films auf Festivals weltweit. Die internationale Premiere fand 2016 auf dem Palm Beach International Film Festival statt. Im Anschluss wurde PAWO unter anderem auf dem Barcelona Independent Film Festival als bester Spielfilm ausgezeichnet. 2017 folgten auf dem Queens World Film Festival (New York) die Auszeichnungen für den besten Film und die beste Kameraarbeit.

Der Filmemacher

Marvin Litwak,

der Kopf hinter dem Film

 

Marvin Litwak wurde 1986 als Sohn einer Einwandererfamilie aus Polen und Österreich in Hagen (Westfalen) geboren. Nach dem Abitur 2008 machte er seine ersten Schritte im Filmgeschäft als Kameraassistent für diverse TV-Formate. Schnell flammte seine Leidenschaft für das Filmemachen auf und er begann ein Film/Regie Studium an der Kunsthochschule Ruhrakademie. Dort drehte er seine ersten Dokumentarfilme und Short Fictions, sowie Musikvideos für populäre Bands wie Luxuslärm und Blue Angel Lounge.

 

2012 beendete er sein Studium mit dem Diplom-Kurzfilm Klowinski. Anschließend arbeitete er als Kameramann, Autor und Producer für TV-Sender und in der Werbung. Seit 2014 ist er Geschäftsführer und Gründer der Dortmunder Produktionsfirma Das Department - zusammen mit seinem Freund und Kameramann Amin Oussar. 2016 realisierte er seinen Debütspielfilm PAWO.

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